Freitag 21. April, 8.30 Uhr. Nach und nach trudeln die Fußballer des Blau-Weiss Krefeld im Foyer des Krefelder Hauptbahnhofs bepackt mit dicken Sporttaschen ein und begrüßen sich mit Handschlag und Umarmung. Seit knapp 14 Jahren existiert die Truppe bereits, seit Jahren spielen sie in mehr oder minder unveränderter Besetzung zusammen. Sie haben zahlreiche Siege in der Krefelder Hobbyfußballliga gefeiert und einige bittere Niederlagen gemeinsam betrauert. Und dennoch ist heute ein besonderer Tag. "Bewirb Dich doch mal beim Coca-Cola-Ticket-Kick" hatte Oliver Fimmers, die technisch beschlagene Offensivkraft knapp sechs Wochen vorher dem Mannschaftsführer Patrick Ploenes bedeutet. Die Chancen stünden nicht schlecht, durch das harte Auswahlverfahren zu gelangen, so hatte "Ofi" von einem "guten Freund" erfahren, der die Bewerbungen betreut...
Durch das Internet wußten wir schnell, dass Coca-Cola in der dritten Aprilwoche sieben Tage lang und 24 (!) Stunden lang, also buchstäblich Tag und Nacht, Fußballspiele mit 140 Hobbymannschaften aus dem gesamten Bundesgebiet veranstalten wollte. Unter dem Motto "Jedes Spiel ist ein Endspiel" sollten jede Mannschaft nur einmal antreten und der Sieger der jeweiligen Begegnung würde 14 WM-Tickets erhalten. "Berlin", "Fussball" und "WM" , das ist eine sehr attraktive Kombination für uns und so waren die Spieler schnell zusammengetrommelt und die Bewerbungsunterlagen abgeschickt. Knapp drei Wochen später traf dann die Einladung von Coca Cola bei uns ein. Manche konnten ihr Glück kaum fassen, haderten aber auch mit dem Mannschaftsführer, dass dieser eine eher realistische Einschätzung unseres sportlichen Können beim Veranstalter angegeben hatte. Denn schließlich wollten wir uns die Tickets ja auch verdienen!
Gegen 14.00 Uhr treffen "die Jungs" am Berliner Prenzelberg an der alten Jahnsportanlage des FC Union ein und unter großem Jubel wird auch "Chrikken" unser Kaptain begrüßt, der morgens noch arbeiten musste und ein Flugticket nachgelöst hatte. Über den Preis schweigt er sich aus...
Die Stimmung ist gut. Wir haben eine gute Mannschaft und mit Ingo Sommer und Harald Kam zwei herausragende Akteure, die beide bereits mehrere Jahre in der Oberliga spielten. Allerdings sind wir nicht mehr die Jüngsten. Bis auf Tim Bellen und Sebastian Busch sind fast alle um die dreißig oder sogar darüber. Ein bisschen Nervosität bleibt also, ob wir auch gegen eine wesentlich jüngere, gut eingespielte Hobbymannschaft bestehen können. Die GutzHoodz aus Dresden sind so ein Gegner. Sie haben sich als ambitionierte Studentenmannschaft beschrieben und trainieren sogar einmal wöchentlich! Es wird also kein leichtes Unterfangen.
Obwohl die Gegner einen netten Eindruck machen, gibt es bereits vor dem Anpfiff einen Eklat. Die Dresdener möchten sich nicht auf freies Wechseln einlassen wie bisher im ganzen Tunier üblich, sondern mit drei festen Auswechselspielern spielen. Auch als der Organisator vermitteln will, bleiben die Jungs hart. Warum bleibt im Dunkeln. Für uns entsteht der Nachteil, das wir nicht alle zu gleichen Teilen spielen können.
Anpfiff. Unser Gegner kann Fussball spielen, das sehen wir sofort. Sie gehen dabei sehr engagiert aber fair zu Werke. Trotzdem erzielt ausgerechnet unser Kleinster "Toto" Blodow mit dem Kopf bereits in der 3. Minute das 1:0. Die Gegner haben Respekt vor uns und dank einer sehr konzentrierten Defensivarbeit und einigen gelungenen Spielzügen erhöhen wir noch zur Mitte der ersten Halbzeit durch
Ingo Sommer
(17. min), 3:0 Alexander Hess (31. min) auf 3:0. Nach dem unmittelbar darauf folgenden 3:1 (38.) bestimmen die Dresdner bis zur Halbzeit das Spiel, ohne sich aber weitere große Chancen zu erspielen. Wir wissen jetzt, dass wir das Spiel noch lange nicht gewonnen haben.
In der zweiten Halbzeit müssen wir noch einmal richtig kämpfen und rennen. Das Spiel geht hin und her. Schließlich muss unser Torwart Christian "Kahn oder Lehmann" Lehmann mit einem glänzenen Reflex auf der Linie parieren. Vielleicht hätten wir sonst noch einmal zittern müssen. Vorne vergeben wir einige hochkarätige Chancen. Als Ingo Sommer dann aber in der 69. Minute das sehenswerte 4:1 erzielt, ist der Kampfeswillen der Dresdener (endlich) gebrochen. Harald Kam (88.) erhöht mit dem Tor des Tages, einem Lupfer aus vollem Lauf über den Torwart, zum 5:1 Endstand.
90. Minute. Endlich pfeift der Schiri ab und der Jubel kennt keine Grenzen. Sprudeldusche (wo ist nur der Sekt?) und Lob vom Organisator für das schöne und faire Spiel. Danach gehts unter die Dusche. Abends feiern wir in einer Pizzaria und gehen danach noch mächtig steil. Es ist schließlich unsere erste Mannschaftsfahrt in all den Jahren! Die nächste findet im Juni statt, wenn wir gemeinsam im Stadion sind. Zu welchem Spiel wir kommen, wissen wir noch nicht. Aber vielleicht haben wir ja ähnlich gute Karten wie bei der Bewerbung.
Die Zugfahrt nach Hause dauert irgendwie länger.
(ppl, 11.05.06)
Interview am Spielfeldrand
Berlin, 21. April 2006 Mit einem deutlichen 5:1-Sieg setzte sich heute Blau-Weiß Krefeld gegen GutzHoodz Dresden
beim Coca-Cola Ticket Kick durch und gewann 14 WM-Karten. In einer mitreißenden Partie zeichneten sich beide Teams durch Kampfgeist und Laufstärke aus. Blau-Weiß Krefeld ging schnell in Führung, in der 31. Minute stand es schon 3:0. GutzHoodz Dresden zog in der 38. Minute nach und erzielte den längst fälligen Anschlusstreffer zum Pausenstand von 3:1 für Krefeld.
Beide Mannschaften zeigten eine trickreiche und laufstarke Partie. In der 44. Minute verfehlte ein gefährlicher Kopfball der Krefelder das Tor nur knapp. Insgesamt dominierte Blau-Weiß Krefeld die erste Halbzeit und konnte auch in der zweiten Hälfte in der 69. Minute die Führung auf 4:1 ausbauen. Sie überzeugten die Zuschauer mit ihrer Ballsicherheit und ließen dank ihrer Erfahrung nichts mehr anbrennen. Beim Endstand von 5:1 pfiff der souveräne Unparteiische nach einer torreichen Partie ab, in der GutzHoodz Dresden bis zum Schluss unbändigen Kampfeswillen zeigte.
Beim Coca-Cola Ticket Kick können sich Fußballfans aus ganz Deutschland Tickets für die FIFA WM 2006 selbst erspielen. In 70 Begegnungen treffen 140 Teams aus ganz Deutschland im längsten Fußball-Endspiel zur FIFA WM 2006 aufeinander. Gespielt wird 7 Tage lang, rund um die Uhr, Tag und Nacht. Jedes Spiel ist ein Endspiel, das heißt die 70 Siegerteams gewinnen jeweils 14 WM-Tickets.
Ergebnis:
Blau-Weiß Krefeld GutzHoodz Dresden 5:1
Tore: 1:0 Toto Blodow (3. min), 2:0
Ingo Sommer
(17. min), 3:0 Alexander Hess (31. min), 3:1 Andre Wisniewski (38. min), 4:1
Ingo Sommer
(69. min), 5:1
Harald Kam
(88. min)